Das Alte Land als
UNESCO-Welt­kul­tur­er­be

Die Orgel­bau­kunst und das Reet­dach­de­cker-Hand­werk gehö­ren bereits seit eini­gen Jah­ren zum imma­te­ri­el­len Welt­kul­tur­er­be der UNESCO. Und wenn es neben den rd. 17 Mio. Obst­bäu­men eins bei uns im Alten Land gibt, dann sind es die zahl­rei­chen pracht­vol­len und tra­di­tio­nell mit Reet gedeck­ten Bau­denk­mä­ler sowie eine her­aus­re­gen­de Orgel-Land­schaft, die z.T. vom gro­ßen Orgel­bau­meis­ter des Barock Arp Schnit­ger (1648–1719) geprägt wur­de und in unse­ren zehn Kir­chen zu bestau­nen ist. Dies sind aber ledig­lich zwei von vie­len Ele­men­ten unse­rer ein­ma­li­gen Kul­tur­land­schaft. Und des­we­gen gibt es Bestre­bun­gen, dass Alte Land in sei­ner Gesamt­heit zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be zu ernen­nen und so für künf­ti­ge Gen­ra­tio­nen zu bewah­ren.

Leuchtturm in Hollern Twielenfleth

Aber war­um ist es hier so beson­ders und ein­ma­lig (schön)?

Das Alte Land ist eine Obst­bau­re­gi­on, soweit klar. Wir begrü­ßen euch zugleich aber auch in einer sehr mari­tim gepräg­ten Kul­tur­land­schaft, die vor rund 700 bis 800 Jah­ren in einem zähen Kampf dem Was­ser abge­run­gen wur­de und sich wei­ter­hin in ste­ti­ger Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Was­ser befin­det (daher die vie­len Dei­che, und daher die vie­len Scha­fe). Das Ele­ment Was­ser prägt das Alte Land durch und durch, allen vor­an sind dies natür­lich die Elbe und ihre drei Neben­flüs­se Schwin­ge, Lühe und Este, die unse­re Regi­on in die soge­nann­ten „Drei Mei­len“ tei­len. Dies geht zurück auf die Kul­ti­vie­rung die­ser von Über­schwem­mun­gen gebeu­tel­ten Regi­on im 12. und 13. Jahr­hun­dert, die auch dank der Mit­hil­fe und des Wis­sens hol­län­di­scher Was­ser­bau­ex­per­ten mög­lich wur­de. Denn erst mit die­sen Kennt­nis­sen, die der dama­li­ge Erz­bi­schof aus Bre­men erkann­te und folg­lich die „Hol­ler-Kolo­nis­ten“ ange­wor­ben hat­te, konn­te das Marsch­ge­biet im Urstrom­tal der Elbe ein­ge­deicht und damit urbar gemacht wer­den. Doch wenn ihr mal rechts und links am Apfel­baum vor­bei­schaut, wer­den euch die unzäh­li­gen klei­ne­ren Was­ser­läu­fe auf­fal­len, die natür­li­chen Ursprungs sind („Flee­te“) oder in müh­sa­mer Arbeit zur Ent­wäs­se­rung des Lan­des von den Sied­lern ange­legt wur­den (Kanä­le und Grä­ben, die bei uns „Wet­tern“ hei­ßen). Wenn man berück­sich­tigt, welch gro­ße Flä­che und ohne heu­te selbst­ver­ständ­li­che tech­ni­sche Errun­gen­schaf­ten kul­ti­viert wur­de, ist die­se Leis­tung nicht hoch genug ein­zu­schät­zen.

Gästeführer im Alten Land

Doch damit nicht genug!

Es gibt wei­te­re Kul­tur­land­schafts­ele­men­te und Errun­gen­schaf­ten, die es in die­ser Form nur bei uns im Alten Land gab und gibt oder bei uns beson­ders früh oder aus­ge­prägt waren. Dazu gehört selbst­ver­ständ­lich das gebau­te Erbe, also neben den zehn präch­ti­gen und denk­mal­ge­schütz­ten Kir­chen ins­be­son­de­re die Bau­ern­häu­ser und Höfe mit Schmuck­gie­bel, Bunt­mau­er­fach­werk, Reet­dach, vie­le sogar mit Prunk­pfor­te oder soge­nann­ter Braut­tü­re. Auch die geleb­ten Brauch­tü­mer und Tra­di­tio­nen sind Bestand­teil unse­rer Kul­tur­land­schaft, denn die Alt­län­der besit­zen seit jeher eine prunk­vol­le und selbst­be­wuss­te bäu­er­li­che Kul­tur, die sich nicht nur in der Archi­tek­tur, son­dern bei­spiels­wei­se auch in den kunst­voll her­ge­stell­ten Möbeln oder in den mit Fili­gran geschmück­ten Trach­ten wie­der­spie­gelt. Die Trach­ten könnt ihr live und in Far­be an unse­ren Gäs­te­füh­rern bewun­dern, am bes­ten im Rah­men einer unse­rer zahl­rei­chen Gäs­te­füh­run­gen. Oder ihr begeg­net zufäl­lig auf einem der zahl­rei­chen Fes­te bei uns der Alt­län­der Blü­ten­kö­ni­gin, die euch ger­ne ihre prunk­vol­le Hoch­zeits­tracht erklärt und ein Foto mit euch macht.

Altländer Kirche

Die Sied­lungs­struk­tur
im Alten Land

Es gab bereits vor den durch die hol­län­di­schen Kolo­nis­ten ver­ein­zel­te Sied­lun­gen im Alten Land, u.a. der Sach­sen. Doch erst durch das Know-how von außen konn­te unse­re Regi­on „pro­fes­sio­nell“ besie­delt wer­den. Ins­be­son­de­re jene Dör­fer, die erst nach der Ein­dei­chung der Elbe und der Neben­flüs­se gegrün­det wer­den konn­ten, wei­sen die regio­nal­ty­pi­schen Struk­tu­ren auf, das heißt z.B. als Deich­hu­fen­dör­fer, wenn sich die alte Häu­ser wie an einer Per­len­ket­te auf oder ent­lang des Dei­ches rei­hen (z.B. Stein­kir­chen, Cranz, Este­brüg­ge), oder als Marsch­hu­fen­dör­fer, in denen die Höfe ent­lang der Flee­te und spä­ter der Ver­bin­dungs­stra­ßen gebaut wur­den (z.B. Jork, Lade­kop). Kenn­zeich­nend für die­se Dör­fer und heu­te noch wun­der­bar zu erkenn ist die ver­gleichs­weis schma­le aber lang­ge­streck­te Par­zel­len­grö­ße der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen, die heu­te meist schlicht „Höfe“ genannt wer­den. Und wer hät­te es gedacht: auch die Maß­ein­hei­ten die­ser „Hufen“ genann­ten Flä­chen gehen auf die ers­ten hol­län­di­schen Sied­ler zurück. Wenn ihr euch also fra­gen soll­tet, war­um man­che Orte bei uns wie in die Län­ge gezo­gen wir­ken und kein klas­si­sches Zen­trum auf­wei­sen, dann ist das den Bege­ben­hei­ten unse­rer Kul­tur­land­schaft geschul­det.

Museum Altes Land

Ihr möch­tet noch mehr erfah­ren?

Wenn ihr mehr erfah­ren möch­tet über die span­nen­de Geschich­te und Kul­tur unse­rer Regi­on, dann geht doch am bes­ten auf eine klei­ne Erkun­dungs­tour mit unse­ren Alt­län­der Gäs­te­füh­rern, besucht das Muse­um Altes Land oder das Muse­um Este­brüg­ge. Und wer sich etwas ein­le­sen möch­te, dem kön­nen wir die umfas­sen­de Sei­te des „Ver­eins zur Aner­ken­nung des Alten Lan­des zum Welt­erbe der UNESCO e.V.“ und das neue Nach­schla­ge­werk „Das Altes Land von A bis Z – Lexi­kon einer Elb­marsch“ emp­feh­len.

Fischmarkt in der Altstadt Stade

Euro­päi­sches Kul­tur­er­be­jahr

Auf dem Weg zum Welt­kul­tur­er­be hat sich die Regi­on Altes Land erfolg­reich als Teil­neh­me­rin des Euro­päi­schen Kul­tur­er­be­jah­res bewor­ben.

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